Wie Autonomy urbane Mobilität in Paris gestalten will

Vom 19. bis zum 21. Oktober 2017 trafen sich im Nordosten von Paris mehr als 220 Aussteller und 15.000 Besucher um sich über neue Produkte und Services rund um urbane Mobilität auszutauschen. An den Fachtagen 19. und 20. Oktober war LogiMobi vor Ort. Am 21. Oktober war Autonomy für das breite Publikum geöffnet.

ADESA als Schlüssel für urbane Mobilität

Die urbane Mobilität verändert sich, davon ist Ross Douglas, der Gründer von Autonomy überzeugt. Er veranschaulicht dies an drei Effekten:

  1. Eigene Autos werden in modernen Städten nicht mehr benötigt und sind zunehmend kein Statussymbol mehr für junge Leute.
  2. Der Verbrennungsmotor wird mittelfristig vom Elektromotor abgelöst.
  3. Autonome Fahrzeuge werden neue einfache und nahtlose Mobilität möglich machen.

Die Veränderung von urbaner Mobilität zeigen folgende fünf Faktoren:

  • A: Active Mobility
  • D: Data Analytics
  • E: Electric Vehicles
  • S: Shared Mobility
  • A: Autonomous vehicles

Das Zusammenspiel dieser fünf Faktoren werde die zukünftige Mobilität schneller, sauberer und sicherer machen, so Ross Douglas gegenüber LogiMobi.

Auch große Automobil-, Öl- und Energiekonzerne hätten die Zeichen der Zeit erkannt und investieren stark in neue Mobilitätsformen und elektrische Antriebe.

Autonomy glaubt an eine Zukunft mit einer Vielzahl von Lösungen von unterschiedlichen Akteuren zur urbanen Mobilität. Das zeigten mehrere unterschiedliche Anbieter von stationären und free-floating Bikesharing Systemen auf der Messe, wie z.B. der chinesische Anbieter ofo, der bald in Paris starten möchte oder oBike aus Singapur.

Autonomy zeigt Bewährtes und Neues für urbane Mobilität

Neben dem Bikesharinganbietern als Teil der Aktiven Mobilität präsentierten sich auch zahlreiche Unternehmen und Start-ups mit elektrischen Skateboards und Rollern sowie Zwei- oder Einradscooter. Auch Zubehör für die aktive Mobilität wurde präsentiert, wie ein Design Fahrradhelm zum Zusammendrücken oder Fahrradtaschen mit blinkenden Pfeilen um bei schlechter Sicht die Richtung anzukündigen.

Zu Electric Vehicles zeigte die Messe mehrere in Größe und Form unterschiedliche Scooter Modelle. Außerdem war Renault mit einem Zoe und einem Twizy vor Ort.

Ferner spielte das Thema Data Analytics als Schlüssel zur intelligenten und effizienten Vernetzung eine Rolle. Das Unternehmen ito World zum Beispiel stellte seine Lösungen zur intelligenten Analyse von Verkehrsdaten einschließlich deren Visualisierung vor. Ein anders Beispiel ist OpenDataSoft, das für Städte und Kommunen (wie Mannheim) open Data Portale aufbaut, damit weitere Akteure mit diesen Daten arbeiten können.

Auch mehrere App-Anbieter zeigten ihre aktuellen Lösungen für den Endkunden. So zum Beispiel mappy. Das französische Start-up betreibt eine App, mit der unterschiedliche Routen mit unterschiedlichen Anbietern vorgeschlagen werden (intermodal und multimodal). Dadurch vereinfacht es den Zugang zu unterschiedlichen Verkehrsmitteln für den Kunden. Auch das Unternehmen free2Move bündelt alle Carsharinganbieter in einer App und war auf der Messe vertreten. Das Unternehmen optimile geht noch einen Schritt weiter und entwickelt nach eigenen Angaben eine Mobility as a Service, kurz MaaS, App für Gent und Flandern.

Urban Mobility Summit mit einem Mobility as a Service Panel

Mobility as a Service war auch Thema im begleitenden Kongressprogramm dem „Urban Mobility Summit“. Am ersten Kongresstag diskutierten zu diesem Thema unter anderem Isadora Verderesi, Chairwoman von MaaS Global mit Jacob Bangsgaard, President MaaS Alliance und Nathalie Rodriguez, Project Manager bei der Hamburger Hochbahn AG sowie Johan Herrlin, CEO, Ito World und Delphine Asseraf, Digital Brand and Communications Director, Allianz France.

Mit Mobility as a Service ist eine Plattform bzw. App gemeint, in der Kunden alle Mobilitätsdienstleistungen für ihre Fahrtwege suchen und buchen können. Zusätzlich kann ein verkehrsmittelübergreifendes Abomodell zur Verfügung stehen. Der Vorteil für den Kunden liegt in der Convenience, nur noch eine Anwendung für alle Mobilitätsservices zu benutzen und dadurch den einfachen Überblick über alle Optionen zu haben.

Jacob Bangsgaard merkte an, dass der Markt aktuell sehr fragmentiert sei und man bspw. in Paris eine Vielzahl von Apps benötige um alle Services nutzen zu können.

Natalie Rodriguez ergänzte, dass der ÖPNV bei MaaS Rückgrat und Integrator in der urbanen Mobilität bleibe. Zusätzlich seien Gedanken notwendig, wie Personen ohne Smartphone MaaS nutzen könnten.

Die größte Herausforderung bei der Implementierung von MaaS ist das Zusammenführen der unterschiedlichen Akteure. Diese hätten unterschiedliche Interessen und Ziele. Insbesondere mit Blick auf die Datenweitergabe sind Vertrauen und Verträge erforderlich. Statt eines großen Clearing Houses sollte es besser einen kontinuierlichen Datenaustausch der relevanten Informationen geben. So behielten alle Akteure über ihre Daten die Hoheit.

Insbesondere mit dem großflächigen Einsatz von autonomen Shuttlen und Autos in urbanen Gebieten werde MaaS sehr relevant und zur breiten Abschaffung des eigenen Autos führen. Denn die bisherigen Nachteile der letzten Meile, bspw. ein nötiges Umsteigen, können durch autonome Flotten minimiert werden.

Hamburger Startup Wunder Carpool organisiert Ridesharing in Süd- und Ostasien

In einem anderen Vortrag erklärte Gunnar Froh warum sein Startup Wunder Carpool gerade Süd- und Ostasien für sein Ridesharing-service ausgesucht hat. Die Städte wachsen dort viel schneller und ein gutes schienengebundes ÖPNV-Netz ist in den meisten Städten nicht verfügbar. Eine große Mittelschicht wächst dort heran, die sich eine einfachere und angenehmere Form der Mobilität wünscht. Wunder kalkuliert in 2020 mit 100 Millionen freien Sitzplätzen jeden Tag in den 30 größten Städte in der Region. Ziel sei es, die Besetzungsdichte pro Auto zu erhöhen und die durchschnittlich drei freien Plätze an andere Personen zu vermitteln. So könnten dauerhafte Fahrgemeinschaften entstehen.

Durch die Vermittlung freier Plätze für bestehende Fahrten in privaten Fahrzeugen sind die Kosten deutlich geringer als bei UberPool. Hauptsächlich finanziert sich Wunder Carpool über zielgerichtete Werbung in der App. So können die Transaktionskosten für die Mobilitätsplattform geringgehalten werden. Zurzeit noch in Indien und den Philippinen aktiv, sollen bis 2018 Städte in Südamerika (z.B. Rio de Janeiro), Afrika (z.B. Nairobi) und weitere in Asien (u.a. Teheran, Bangkok, Jakarta) hinzukommen.

Hyperloop TT baut Teststrecke in Toulouse

Während des zweiten Tages erläuterte unter anderem Bibop G Gresta von Hyperloop Transportation Technologies (nicht zu verwechseln mit Virgin Hyperloop One!) das Prinzip dieses neuen Verkehrsmittels und die Ziele dieser Organisation. Hyperloop ist ein röhrenbasiertes Verkehrsmittel. In dieser Röhre herrscht praktisch Vakuum, dadurch können einzelne Kapseln mit hoher Geschwindigkeit und durch Magnetkraft schwebend durch die Röhre beschleunigt und bewegt werden. Die Kapseln können sowohl Personen als auch Güter transportieren. Hyperloop Transportation Technologies (HTT) stellt nach eigenen Angaben kein Unternehmen dar, sondern eine kollaborative Organisation aus 800 Personen aus 38 Ländern, die zusammen an dem Projekt arbeiten.

Hyperloop gab bekannt, dass die erste Test- und Erprobungsstrecke in Toulouse gebaut werden soll. Dafür ist bereits ein Vertrag mit der Stadt unterschrieben. Der Bau beginnt im nächsten Jahr.

 

Die Messe und der Kongress haben nach zwei Tagen die Vision von Autonomy bestätigt. Eine Vielzahl an Optionen für die kollektiv organisierte urbane Mobilität wird zu multimodalen, schnellen und sauberen Mobilitätslösungen führen, die zum Vorteil für Menschen und Städte sind.

Im kommenden Jahr findet die Autonomy vom 18. bis 20 Oktober statt.

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Titelbild @Autonomy.