All4Pack 2018 – Startups LivingPackets und ProGlove (3/4)

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© Comexposium

Die ALL4PACK Paris fand vom 26. bis 29. November 2018 in Paris Nord – Villepinte, Frankreich statt. An vier Tagen Networking, Innovationen und Präsentationen versammeln sich 87.000 Fachleute aus der Verpackungs- und Intralogistikbranche.

Neben den Konferenzen beschäftigen sich natürlich auch die Aussteller mit der Chancen und Folgen der Digitalisierung. Insbesondere die Startups, die erstmals an einem Ort in der Messe waren, zeigten ihre Ideen für heute und für morgen. Das Ziel der Messe war es, den Startups eine Bühne zu geben um ihre Produkte aus Packaging und Logistik einer breiteren Fachöffentlichkeit zu präsentieren. Mit zwei deutschen Startups habe ich gesprochen und mir ihre Produkte erklären lassen.

Living Packets zeigt die smarte E-Commerce Box

Das Startup LivingPackets (www.livingpackets.com) stellt auf der Messe das Produkt The Box vor. Bei diesem handelt es sich um ein intelligentes und wiederverwendbares Paket für den E-Commerce. Ich habe mir das Produkt im Detail vom CEO Alexander Cotte erklären lassen.

LogiMobi: Hallo Alexander, du bist CEO von LivingPackets. Bitte erkläre uns doch mal, was es mit eurem Produkt „The Box“ auf sich hat.

Alexander: The Box ist das erste ökologisch-freundliche wiederverwendbare und smarte Paket für die eComerce-Welt.

Was verbirgt sich denn hinter diesen Adjektiven ökologisch und smart?

Ökologisch heißt, dass man das Paket bis zu 1.000 mal wieder benutzen kann. Wir kümmern uns darum, dass das die Box nach Ablauf der Lebenszeit recycelt oder aufgefrischt werden. Wir bieten eine Alternative zur derzeitigen Müll-Verpackung zu einem Zehntel des bisherigen Preises. Zusätzlich benötigst du kein Füllmaterial mehr, weil ein automatisches Holdingsystem integriert ist, das Schocks absorbiert und es auf der anderen Seite möglich macht, dass du einfach nur den Inhalt reinsetzt – zumachst – fertig und es sitzt fest.

Zu Smart: Wir bieten eine User Experience wie nie zuvor. Das kann bis jetzt keiner und wir sind die allerersten, die etwas Derartiges machen. Das fängt damit an, dass eine Bestellung direkt an das Paket verbunden ist. Durch das E-Ink Display und dadurch, dass das Paket eine eigenständige Internetverbindung hat und dadurch auch software-seitig connected ist, weiß jeder in der ganzen Logistikkette, dass das Paket an dich gehen wird. Das Label ändert sich automatisch, auch während eines Transportes, wenn du andere Adresse angbist, beispielsweise weil du in die Arbeit musst. Sobald zum Beispiel deine Schuhe, die du gerade geordert hast, im Packet sind, hast du Zugriff auf alle Daten des Pakets. Wir haben Sensoren zu Gewicht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, GPS, Kamera, Erschütterungen und Openingdetection. Das heißt, wenn dein Unternehmen zum Beispiel Fisch versendet, kannst du die Logistikkette überwachen und erfährst in der App, falls eine angegebene Temperatur überschritten wird und wer in diesem Moment wo für das Paket verantwortlich war.

Falls du nicht zufrieden mit dem Inhalt deines Paketes von deinem E-Commerce Shop wie Amazon oder Zalando bist, reicht es wenn du deine Schuhe wieder reinlegst und auf dem Knopf des Pakets drückst. Das E-Ink Display erstellt dann automatisch einen neuen Barcode für den Rückversand, inklusive der Hintergrundprozesse. Dazu gehört auch, dass dein Paket automatisch von der Post oder ein Kurier abgeholt wird.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Und wenn ich die Schuhe gut finde im Paket, Was mache ich dann mit dem Paket zu Hause?

Dann hast du drei Optionen. Erste Option: Es ist nicht nur B2C, sondern ein wiederverwendbares Paket welches jeder verwenden kann, zum Beispiel, wenn du etwas an eine Freund senden möchtest. Du musst einfach in der App die Adresse deines Freundes angeben und das eInk Display ändert sich dementsprechend. Das Paket wird dann von einem Kurierdienst abgeholt und das zu einem Bruchteil des Preises der Verpackungskosten von einem herkömmlichen Paket.
Die Zweite Option ist, dass du zu einem Shop in deiner Umgebung oder zu einer anderen Privatperson, die ein Paket verschicken möchte, gehst und das Paket dort abgibst. Dafür bekommst du 2€ von uns. Denn das System lebt davon, dass die Pakete immer wieder im Umlauf gebracht werden, deswegen bedanken wir uns dann mit diesen 2 € bei dir für deinen Einsatz. Wir sind eine Profit-Sharing Company und teilen sowieso 50% aller Gewinne mit der Community.

Die dritte Option ist, dass wir dich irgendwann benachrichtigen das Paket bitte abzugeben. Dann kannst du das Paket zum Beispiel dem nächsten Paketzusteller der mit einem anderen Paket zu dir kommt, das leere The Box Paket mitgeben. Dann bekommst du allerdings nur 1€.

Alles klar. Das sind aber hohe Beträge pro Paket. Wie finanziert sich das denn?

Das Ganze funktioniert durch eine Profit-Sharing Kampagne. Das heißt die ganzen Pakete werden vorfinanziert. Ein Paket kostet in der Produktion 140€ was viel ist, was hochgerechnet auf 1.000 Reisen aber weitaus weniger als ein Karton-Paket ist. In unserem Fall ist es so, dass sich ein E-Commerce-Anbieter einfach bei uns melden kann. Wir geben diesem dann kostenlos Pakete und erst wenn dieser etwas damit versendet verlangen wir eine Gebühr. Wir nehmen praktisch eine Miete, dass das Paket genutzt wird und diese Miete ist immernoch geringer als ein Karton.
Wir bieten aber auch die Möglichkeit an The Box zu kaufen. Somit kannst du als E-Commerce oder Logistic Company selbst entscheiden was auf dem Paket ist. Das bedeutet ganz konkret: Du hast eigene Pakete mit deiner Werbung drauf und verdienst zum ersten mal sogar direkt während du Marketing machst. Die Pakete kommen nämlich wieder in Umlauf und können, sofern du das als Shop möchtest, genau so wie alle anderen als C2C Pakete verwendet werden. Anderweitig kümmern wir uns darum, dass sie wieder zum Shop zurückfinden.

Was ist euer Plan für die Zukunft.

Gestern habe wir hier auf der All4Pack unseren Protoyp vorgestellt, um zu testen, wie es angenommen wird. Wir wünschen uns Erfolg, aber wir wissen noch nicht, ob wir Erfolg haben werden. Ende nächsten Jahr wollen wir eine Millionenanzahl der Pakete produziert haben und das System am Laufen haben. Die endgültige Anzahl der produzierten Pakete hängt dann natürlich von der Anzahl der Partner ab. Unser Plan ist es mit der der Profit-Sharing Kampagne schnell zu starten. Je mehr Leute mitmachen, desto besser.

Vielen Dank für das Interview und dann Viel Erfolg

Sehr sehr gerne, ich bedanke mich bei dir.

ProGlove verbindet Scanner und Handschuh

ProGlove (https://www.proglove.de/) bot auf der Messe ihren MARK ONE S an. Dies ist ein Handschuh mit einem darauf befestigten Scanner. Der Scanner löst aus, sobald der Stromkreis durch berühren des Zeigefingers mit dem Daumen verbunden ist. Der Vorteil ist, dass ein Mitarbeiter bspw. in der Automobilproduktion nicht mehr einen Scanner in die Hand nehmen muss um einen Barcode eines Teils zu scannen, sondern dies schneller mit dem Handschuh machen kann. Der Scanner überträgt den Barcode dann bis zu 30 Meter an einen Computer. Sollte etwas falsches gescannt worden sein, gibt der Scanner durch rotes Licht und Vibrieren Feedback an den Träger. Ich habe mir den Handschuh im Detail von Sarah aus dem Marketing bei Proglove erklären lassen.

LogiMobi: Hallo Sarah, erklär meinen Lesern bitte einmal was ProGlove macht.

Foto von der All4Pack
Scanhandschuh vom Startup Proglove

Sarah: ProGlove ist ein intelligenter Handschuh für die Logistik und die Produktion. Im Endeffekt ist es ein mobiler Barcode Scanner, der auf einem Handschuh befestigt ist. Dadurch erhöht sich beim Arbeiter die Mobilität und die Geschwindigkeit, da er mit beiden Händen frei arbeiten kann und nicht ständig einen Scanner aufheben muss.

Alles klar. Wie lange seid ihr mit eurem Produkt schon am Markt?

Sarah: Wir sind seit 2016 auf dem Markt (2014 gegründet). Unsere Gründer kommen aus der Automobilindustrie  (BMW)  und der Innovationsbranche (IDEO). Einer unserer Gründer, Paul, der damals bei MINI in München tätig war, hat überlegt, wie er den Arbeitsprozess des Werkers verbessern kann und hat festgestellt, dass fast alle Werker Handschuhe tragen und in der Produktion scannen müssen. Daraus kam ihm die Idee, diese beiden Bestandteile des Werkeralltags zu kombinieren und somit ein Produkt zu schaffen, welches den Arbeitsprozess optimiert, ohne die bisherigen Prozesse zu stören. Daraus ist dann die Idee für ProGlove entstanden. 2014 haben wir bei der Intel “Make It Wearable Challenge” in Las Vegas unser Seed Funding gewonnen.

Welche Branchen sind denn eure Kunden?

Wir haben im Bereich der Produktion angefangen und arbeiten mit fast allen Automobil-OEMs in Europa zusammen. Mittlerweile sind wir aber auch im Bereich Logistik aktiv, zum Beispiel mit   REWE und Penny, oder auch Faurecia hier in Frankreich. Unser nächstes key vertical ist Flughafenlogistik, da arbeiten wir beispielsweise mit Lufthansa Technik zusammen.

Was erwartet ihr hier von der All4Pack Messe?

Da es eine sehr logistik spezifische Messe ist, gehen wir davon aus, dass sehr viele potenzielle Kunden hier sind. Was gut organisiert war, war dass man im Voraus schon Meetings setzen konnte mit interessanten Unternehmen. Wir erhoffen uns in Frankreich mehr Visibilität zu bekommen. Dazu passt, dass wir gerade auch im Startup Accelerator “Station F” in Paris sind. Station F ist das größte Acceleratorprogramm der Welt und befindet  sich in einem ehemaligen Bahnhof. Über Access2Europe, einem durch die EU geförderten Programm der deutsch-französischen Handelskammer haben wir einen Platz im Accelerator für 3 Monate gewonnen und möchten daher durch Events wie dieses noch weiter auf uns aufmerksam machen.

Dann Viel Erfolg hier auf der Messe und mit eurem Produkt

Insgesamt haben mehr als 15 Startups ihre Innovationen vorgestellt. Die Liste mit allen weiteren Startups finden Sie auf der All4Pack-Webseite.


Weitere Artikel zur All4Pack

LogiMobi war insgesamt drei Tage auf der All4Pack. Die umfangreiche Berichterstattung wurde auf vier Blogbeiträge aufgeteilt.

  1. Beitrag zu den Konferenzen >>>
  2. Beitrag zu den Messeausstellern >>>
  3. Beitrag zu den Startups (Dieser Artikel)
  4. Interview mit der Messeleitung >>>

Dies ist der letzte Report einer Messe aus dem Jahr 2018. Ich bedanke mich für Ihr Vertrauen, Ihre Treue beim Lesen und Besuchen dieses Blogs.

Anfang kommenden Jahres bin ich wieder unterwegs und berichte für Sie von den wichtigsten Events der Logsitik- und Mobilitätsbranche.

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