Der Deutsche Logistik Kongress findet vom 19 bis 21 September in Berlin statt.

So war’s: 33. Deutscher Logistik-Kongress 2016

Titel: 33. Deutscher Logistik-Kongress – Den Wandel gestalten
Datum: 19. bis 21. Oktober 2016
Ort: InterContinental Hotel
Adresse: Budapester Straße 2, 10787 Berlin
Veranstalter: Bundesvereinigung Logistik (BVL)
Schwerpunkte: Vernetzte Logistik, Urbane Logistik, Industrie 4.0, Start-up Pitch, Automotive Logistik, digitale Supply Chain

Die Digitale Transformation in der Logistik steht am Anfang

Die Logimobi-Redaktion besuchte am 21. Oktober den 33. Deutschen Logistik-Kongress. Der letzte Tag begann mit fünf parallel stattfindenden Fachsequenzen. Wir nahmen an der Fachsequenz „Science & Research –  Trends und Strategien“ teil. In dieser Sequenz wurden die Ergebnisse der neuesten Studie, die die BVL beauftragt hatte, vorgestellt. Schwerpunkt der Studie war die digitale Transformation von Logistik und Supply Chain Management. Hierfür wurden 33 Experteninterviews, 1341 Umfragebögen und 6 Diskussionsrunden ausgewertet.

Ein Ergebnis der Umfrage ist, dass zwar 73% deutscher Logistikunternehmen die Digitalisierung als Chance sehen. Allerdings warten mehr als 50% der Unternehmen noch ab und entwerfen beispielsweise noch keine digitalen Geschäftsmodelle oder beteiligen sich an Start-ups. Ferner bezeichnen sich erst 4% aller Unternehmen als volldigitalisiert.

Mut zum Testen und Mut zum Scheitern bei neuen Geschäftsmodellen

Diese zögerliche Haltung, so die Studienautoren, sollte schnellstmöglich abgelegt werden, um im internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Frei nach dem Motto „Umwege erhöhen die Ortskenntniss“, sollten Projekte entwickelt und digitale Geschäftsmodelle getestet werden. Es sollten nicht mehr am Reißbrett jahrelang Ideen entwickelt werden, sondern schon in frühen Entwicklungsstadien der Kundenkontakt gesucht werden. Ferner sollte der Mut zum Scheitern in den Unternehmen etabliert werden, damit viele kleinere Projekte gestartet werden können  aber auch schlecht laufenden Projekte konsequent abgebrochen werden. Herr Prof. Kersten, wissenschaftlicher Beirat der BVL und Institutsleiter gab den Anwesenden Hilfestellung in Form von drei Stufen:

  1. Wo stehe ich zurzeit? Was ist meine Ausgangsbasis?
  2. Wie kann ich durch die Digitalisierung einen Mehrwert generieren (z.B. in neuen Entwicklungen)?
  3. Konkrete Feldversuch oder konkretes Projekt starten

Ergebnis der Studie ist unter anderem eine strategische Landkarte, die die Veränderungen der Wertschöpfungskette verdeutlicht. Aufbauend auf neuen Technologien, verändern sich auch die Kompetenzanforderung an die Mitarbeiter. Dies führt zu neuen und angepassten Geschäftsmodellen (s. Foto)

© Nicolas Rückert
© Nicolas Rückert

Die Studie wurde durchgeführt vom LOGU, einem Institut der Technischen Universität Hamburg, Lufthansa Industry Solutions, dem International Performane Research Institute und Horváth & Partners.
Die vollständige Studie finden Sie hier: BVL Trends und Strategien

Wissenschaftspreis mit zwei Preisträgern

Im Anschluss der Fachsequenz fand die Verleihung des Wissenschaftspreis Logistik 2016 statt. Gewonnen haben dieses Jahr zwei Doktoranden. Ausgezeichnet wurden Dr.-Ing. Max Gath für seine Dissertation „Optimizing Transport Logistics Processes with Multiagent Planning and Control“ und Dr.-Ing. Zäzilia Seibold für ihre Dissertation “Logical Time for Decentralized Control of Material Handling Systems”. Mehr zum Wissenschaftspreis finden Sie hier: Wissenschaftspreis Logistik und Preisträger 2016

Anschließend blieb Zeit die umfangreiche Fachausstellung zu besuchen.

Neue Erwartungen und Herausforderungen In Unternehmen

Der letzte Programmpunkt bestand aus vier Vorträge von namenhaften Persönlichkeiten aus der Logistik- und Mobilitätsbranche.

Den Anfang machte Frau Janina Kugel, Mitglied des Vorstands bei der Siemens AG. Unter dem Titel „Den digitalen Wandel gestalten: Erfolgsfaktor Führung“ berichtete Sie von der Notwendigkeit, den eigenen Mitarbeitern mehr Raum für Kreativität und Innovation zu geben. Dass sei nötig, um Ideen für neue digitale Geschäftsmodelle für den Kunden zu entwickeln. Dieser Kulturwandel bedeutet auch, dass sich die Art der Führung durch Führungskräfte verändern werde. Im Übrigen stehe die Digitalisierung in der Arbeitswelt erst am Anfang und werde weiter an Fahrt aufnehmen. Um weiterhin innovativ zu bleiben, beteiligt sich Siemens auch an Start-ups, wie zum Beispiel magazino, einem automatisierten Logistik- und Kommissionierroboter, oder setzt auf die Neu- und Weiterentwicklung von eigenen Produkten, zum Beispiel mit dem Projekt eHighway.


Im Anschluss berichtete Frau Dr. Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der BVG, zum Thema „Digitalisierung der Mobilität – Verkehrsunternehmen im Wandel“. Frau Nikutta machte deutlich, dass durch die Digitalisierung die Grenzen zwischen Logistik und Mobilität verschwimmen. Der gesellschaftliche Wandel und der technologische Fortschritt verändern die Erwartungen der Kunden an Mobilität und den ÖPNV. Frau Nikutta zeigte Zukunftsperspektiven mit autonomen Fahrzeuge auf und erzählte von den Erfolgen der neuen Marketingkampange „Weil wir dich lieben“.

Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa

Es folgte Herr Prof. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, zum Thema „Perspektiven für die deutsche Wirtschaft zwischen Eurokrise und Flüchtlingswelle“. Anhand umfangreicher volkswirtschaftlicher Daten erläuterte er dem Publikum, dass die makroökonomische Divergenz in Europa zunehme. Bei Arbeitslosenzahlen, Wirtschaftswachstum und Investitionen zeigen sich insbesondere zwischen Nord- und Südeuropa große Unterschiede. Ferner müsse in Europa die Governance gestärkt werden um Handlungsfähigkeit wieder zu erlangen. Dies sei nötig um bei internationalen Partner und der europäischen Bevölkerung Vertrauen zurückzugewinnen.


Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, forderte in seiner Keynote zum kreativen Datenreichtum statt Datensparsamkeit auf. Mit dem Dreiklang aus  Innovation, Investition und Infrastruktur werde die deutsche Wirtschaft auch in den kommenden Jahren fit bleiben.

Zum Abschluss des Kongresses zog Prof. Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der BVL, ein Resümee. Nach drei Tagen Input sollte jetzt in den Unternehmen der Wandel gestaltet werden. Dabei darf die digitale Transformation kein Selbstzweck sein, sondern muss sich an den Bedürfnissen des Kunden orientiert.

Wie die deutsche Logistik den Wandel gestaltet, werden wir im nächsten Jahr sehen, auf dem dann 34. Deutsche Logistikkongress vom 25. bis 27. Oktober 2017.

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Titelbild: © Bundesvereinigung Logistik (BVL)